Sports & Politics

“Us against Q.A.T.A.R.” 

Style PASS schließt sich Protesten an 

Es ist ein schmaler Grat, wie vieles im Leben: Wie schützt man Menschrechte? Wie führt man – pragmatisch gesehen – Verbesserungen für die Lebenswelten von Menschen herbei, die noch nicht von den Errungenschaften von Humanismus und Co. profitieren?

An der Ausrichtung der Fußballweltmeisterschaft im Emirat Katar in 2022 bricht sich aktuell vieles: Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International empfiehlt laut Medienberichten, die Spiele stattfinden zu lassen, würde die Öffnung des Emirats in Richtung "westliche Welt” mittelfristig Verbesserungen herbeiführen. Nun rebellieren aber sogar die sonst so braven deutschen Kicker, die sich für gewöhnlich aus Politik heraushalten, oder heraushalten sollen, schließlich lenkt zu viel Diskussion ums Grundsätzliche von der “Gewinnmaschine Fußball” ab. Das Emirat Katar ist reich. Hier liegt das Pro-Kopf-Einkommen ein Vielfaches über dem anderer Länder. Das kommt offenbar nicht ganz von ungefähr, denn Arbeitnehmerrechte werden dort nach wie vor mit Füßen getreten. Von unzähligen Toten, vornehmlich jungen Männern ist die Rede, die auf Großbaustellen, unter anderem Stadionbauten für die WM schon gestorben sind oder täglich sterben. Von den billigen Arbeitskräften aus anderen Ländern profitiert erstmal das Emirat, das Investoren aus der ganzen Welt mit baulichen Prestigeobjekten oder besser gesagt Protz mit dem Tausend-Und-Eine-Nach-Glamourfaktor anlockt: Zwischen 2010 und 2020 seien fast 6.000 Zwangsarbeiter aus Indien, Nepal oder Sri Lanka gestorben, berichtet unter anderem “The Guardian".

Zwar geht Katar durchaus pfleglich mit Mitmenschen um, wenn die Belange der eigenen Bürger betroffen sind: So hat Katar eine kostenfreie Gesundheitsversorgung für jeden. Anderseits ist Katar wenig liberal, wenn es um Homosexuelle geht, denn dort steht die gleichgeschlechtliche Liebe nach wie vor unter Strafe.

Style PASS findet: Es ist super, dass die deutschen Jungs nicht als freiwillig-unfreiwillige Helfeshelfer der Fifa gesehen werden wollen, die Katar entgegen der seit Anbeginn bestehenden Proteste einfach durchgedrückt hat.
Es wäre seltsam, wenn unsere Star-Kicker in unserer liberalen Mediengesellschaft keine Meinung zur WM in Katar hätten und sich einfach den Mund verbieten lassen würden! 
Anderseits ist die Sache natürlich auch nicht ganz so einfach, wie sie auf den ersten Blick scheint: Hier das böse Mittelalter-Emirat, hier die gute westliche Welt, inklusive Deutschland. 
Auch in Deutschland hatten wir noch lange nach dem Krieg ein massives Problem mit Homosexualität: Bis 1969 stand männliche Homosexualität in (West-)Deutschland generell unter Strafe! 
Und unsere auch so wunderbare Gesundheitsversorgung inklusive gesetzlicher Krankenversicherung, die jedem Menschen den Zugang zu ärztlicher Versorgung sichert, ist nicht gerade dem allgemeinen Gutmenschentum zu verdanken, sondern wurde unter Bismarck als Notwendigkeit eingeführt, weil in den Fabriken der aufkommenden Industrialisierung einfach zu viele Arbeiter verstarben: Allgemeine Gesundheitsversorgung als Garant, dem Kapitalismus in die Schuhe zu verhelfen.

Man kann nun also darüber streiten, was jeweils zuerst da war: Einsicht in Menschenrechte und die allgemeine Würde der Spezies Mensch oder notwendige Reformen, die durch “pragmatische Überlegungen” und die Wahrung der Interessen der Fabrikanten und finanziellen Elite motiviert waren.

Und: Auch in Deutschland wurden die Arbeitnehmerrechte in den letzten Jahrzehnten, spätestens nach der Agenda 2010 immer schlechter: Zeitarbeitsfirmen, Leiharbeit, Mini-Jobs, eine beschämende Debatte um den Mindestlohn sind nur der Gipfel des Eisbergs eines maroden Arbeitsmarktes. Katar hat viel aufzuholen, das ist klar. Ob die WM das richtige Mittel ist, Reformen anzuschieben, bezweifelt Style PASS.
Das Beispiel “Winterspiele Sotschi 2014” zeigt die verheerenden Auswirkungen auf Infrastruktur und individuelle Lebenswelten der Menschen innerhalb eines Landes: Zwangsumsiedelungen und Wohnungsnot für die Bevölkerung zugunsten der Stadien, hieß es dort.

Style PASS findet: Mitspielen unter der Prämisse, sich politisch positionieren zu wollen und auf Menschenrechtsverletzungen aufmerksam zu machen, ist zu wenig der Abgrenzung!

Sexismus, die nächste!

Der deutsche Frauenfußball ist mal wieder in aller Munde. Klar, sind die deutschen Frauen am Ball ja seit Jahrzehnten super erfolgreich, räumen einen Titel nach dem nächsten ab, bieten attraktiven Fußball und absolvieren nebenbei – da das Gehalt meist noch nicht so dolle ist und der eigene Ehrgeiz gestillt werden muss – noch ein Studium oder eine Ausbildung.

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