Sports & Politics
Mehr Fairness für eine globalisierte Welt
Ja, dieser Donald Trump. Ein taffer Typ. Inzwischen zwar leicht verwirrt, aber doch immer sein ausgerufenes Motto „America First“ im Blick.
Im Vorfeld der WM in den USA hat Style PASS mit einem bekannten Wirtschaftswissenschaftler über Trumps stark umstrittene Zollpolitik gesprochen.
Im Gespräch mit dem renommierten Wirtschaftswissenschaftler Prof. Heiner Flassbeck fragt Style PASS:
Trump nutzt das Instrument des Zolls / Zolldrohungen dezidiert für Protektionismus, ist das aus Sicht der USA nicht auch ein Stück weit richtig?
Darauf Flassbeck: „Ja, die USA haben ein riesiges Leistungsbilanzdefizit, dagegen darf man sich auch nach den Regeln der WTO („Welthandelsorganisation“) wehren, auch mit Zöllen!“
Flassbeck macht hiermit auf ein grundlegendes Problem aufmerksam, nämlich, dass eine gewisse Chancengleichheit zwischen den Handelspartnern, beziehungsweise Ländern, die miteinander Handel treiben, bestehen muss, um negative Effekte wie Arbeitslosigkeit oder Armut zu vermeiden.
Und, Style PASS weiß: Außenhandelsüberschüsse und Außenhandelsdefizite gehen immer zu Lasten eines Handelspartners beziehungsweise eines Landes oder anderer Länder!
Flassbeck macht hier gegenüber Style PASS auf einen Fachbeitrag von Friederike Spiecker und ihm aus dem Jahr 2015 aufmerksam, hier schreiben die Autor+innen: „Der Gedanke des Wettbewerbs bezieht sich normalerweise auf den Wettbewerb zwischen Unternehmen. Da gehört er auch hin. Unternehmen sollen sich im Wettbewerb bewähren, und das beste Unternehmen soll sich unter sonst gleichen Bedingungen (wozu gleicher Lohn für gleiche Arbeit an erster Stelle gehört!) über Anstrengungen zur Verbesserung der Produktivität in den Produktionsverfahren oder der produzierten Güter und Dienstleistungen durchsetzen und erfolgreich sein dürfen. Wenn ein ganzes Land Wettbewerbsvorteile gegenüber einem anderen Land hat aus Gründen, die nichts mit dem einzelnen Unternehmen zu tun haben, aber allen Unternehmen des einen Landes zugutekommen, ist das in jedem Fall problematisch. Dann ist nämlich der Wettbewerb der Unternehmen zwischen beiden Ländern verzerrt: Von welcher Art diese Vorteile sind, spielt dabei keine große Rolle. Ob das Land Importzölle erhebt, die Steuern für seine Unternehmen besonders stark senkt oder ob es seinen Unternehmen hohe Subventionen gibt, ob die Währung eines Landes unterbewertet ist oder ob die Politik des Landes in einem System fester Wechselkurse (oder einer Währungsunion) mit dafür gesorgt hat, dass die Löhne für alle Unternehmen weniger steigen (im Verhältnis zur Produktivität) als in den Ländern, mit denen man sich auf den festen Kurs geeinigt hat, immer entsteht ein Vorteil für alle Unternehmen des einen Landes, der die Unternehmen in den Partnerländer (ganz gleich, ob es dort im Wettbewerb eher starke oder schwache Unternehmen sind) systematisch schädigt.“
Das Thema „Zölle“ ist also ein weites Feld, das nicht monokausal gesehen werden kann, dementsprechend differenziert antwortet Flassbeck auf unsere Frage:
Style PASS: In einer Welt ohne Zölle wäre was genau besser?
„Das kann man so nicht beantworten, weil man wissen müsste, ob es andere Mechanismen gibt, um große Ungleichgewichte zu verhindern!“
Style PASS meint: In einer globalisierten Welt sollte Fairness zwischen den Handelspartnern / Ländern herrschen, dazu gehören faire Löhne für die Arbeitnehmer+innen, ebenso wie Gesichtspunkte wie Rechtssicherheit für Unternehmer+innen oder Support für couragierte Start-ups, die sich im globalen Wettbewerb behaupten müssen. Dies sollte Leitgedanke für alle Politiker+innen und ihre Politik sein – denn kurze Gewinne oder Vorteile für das eigene Land beziehungsweise die dort ansässigen Unternehmen haben à la longue Nachteile für alle Beteiligten.
Was hat das alles mit der WM zu tun?
Eigentlich nichts. Oder wäre ein stärkerer Fairness-Gedanke zugunsten jetzt noch wirtschaftlich schwächerer Länder bei der WM-Teilnahme dann nicht die richtige Antwort auf eine globalisierte Welt?
Denn: Auch bei der WM 2026 wird es nur einen Gewinner geben! Oder um Spiecker und Flassbeck zu zitieren: Belassen wir den Wettbewerb doch einfach da, wo er hingehört: Bei der schönsten Nebensdache der Welt, dem Fußball.
Lest mehr zum Thema WM in den USA HIER!
Lest ein Style PASS-Interview mit Prof. Heiner Flassbeck HIER!
