Sports & Politics

"Mädels" bereichern den Sport

Der Polizist im Ruhestand Uwe Schmitt (60) wurde Ende 2018 zum Vorsitzenden des FC Concordia Wilhelmsruh gewählt. Der 1895 gegründete Klub gehört zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Fußballbundes. Unter Führung von Schmitt entwickelt der Verein andere Ambitionen, als mit der ersten Mannschaft nur auf der großen Bühne zu glänzen: Soziale Aspekte und Jugendförderung - und ein besonderes Augenmerk für den Mädchenfußball - sind dabei wichtige Punkte.

Style PASS: Sie haben ein auf Ihrer beruflichen Erfahrung gefügtes Weltbild, Sie beobachten die gesellschaftliche Entwicklung, auch deren Verwerfungen genau. Welche Schlüsse können Sie daraus auf Vereinsebene ziehen?

Uwe Schmitt: Wir wollen helfen. Wem? Den Kindern und Jugendlichen, viele in Berlin mit Migrationshintergrund. Zudem will der Verein explizit Mädchen und jungen Frauen Raum für Talent, Fairness und sportlichen Ehrgeiz geben.

Style PASS: Klingt gut, aber wie sieht das in der Praxis aus?

Uwe Schmitt: Wir sind ein Stadtrandclub, wir wollen integrieren. Ein Beispiel: Vor meiner Zeit floss das meiste Geld – sonderlich viel davon steht uns eh' nicht zur Verfügung – in die erste Herrenmannschaft. Klar, wenn die gut kickt, ist sie ein Aushängeschild, aber wir haben das Geld umgeschichtet, denn wir spüren vor allem eine soziale Verpflichtung. Und die heißt: Den Kindern und Jugendlichen eine Perspektive geben. Insofern ist der Verein und ich gefragt, nicht nur auf die sportliche Spitze zu setzen, sondern ein bereites Konzept anzubieten, das möglichst viele junge Menschen erreicht.

Style PASS: Dieser Ansatz zielt offensichtlich weiter als auf das rein Sportliche!

Uwe Schmitt: Genau! Wir müssen erst einmal das Umfeld der Kinder und Jugendlichen – auch wenn wir uns vielerorts ein anderes, besseres wünschen – so nehmen, wie es ist. Das heißt: Weg von der Straße, raus aus der Langeweile und Lethargie, rein in ein Leben des Miteinanders, egal vor welchem familiären und ethnischen Hintergrund. Sport kann ein wichtiger Baustein sein, die Lebenswelten von jungen Menschen effektiv zu verbessern.

Style PASS: Was heißt das praktisch?

Uwe Schmitt: Ganz einfach: Erst einmal Regeln. Eine heißt, auf dem Platz wird nur Deutsch gesprochen. Wir haben die Beobachtung gemacht, dass viele Kinder am Kindergarten verzweifeln, weil zuhause vielleicht zu wenig Deutsch gesprochen wird - das können wir als Verein nicht ändern, aber wir wollen mithelfen, dass die sprachliche Kompetenz so ist, dass die Kinder ihr Leben später selbstbewusst gestalten können. Bei den Jugendlichen versuchen wir zu helfen, dass sie die Grundfertigkeiten der Bildung verinnerlichen. Mein Ehrgeiz ist: Wenn sich einer meiner jungen Spieler etwa bei der Polizei bewirbt, dann darf er in der Eignungsprüfung nicht durchfallen. Wir wollen dafür sorgen, dass es in unserem Verein keine Schulabbrecher gibt.

Style PASS: Klingt ein bisschen nach deutschen Tugenden?

Uwe Schmitt: Das klingt ein bisschen gemein von Ihnen, aber ja, warum nennen wir es nicht einfach so? Bei uns lernen sie, dass nicht nur der Trainer pünktlich zu erscheinen hat, sondern alle, die mitmachen wollen. Außerdem lernen sie, dass zur Balleroberung Fouls nicht erlaubt sind und geahndet werden. Wer dreimal foult, darf einmal aussetzen, das ist unsere Art von "Mensch ärgere Dich nicht".

Style PASS: Sind Sie mit diesem sozialen Engagement erfolgreich?

Uwe Schmitt: Ein kleines Beispiel: Wir hatten ein Turnier ausgerichtet, ein Energiekonzern half uns dabei. Die Frau der Marketingabteilung sagte zu mir: "Das ist gut, was Sie so machen." Wer gelernt hat, dass zur Arbeit auch Pünktlichkeit und faires Verhalten gehört, der hat bei uns gleich bessere Einstellungschancen. Unser Ziel ist: Jede Spielerin, jeder Spieler bekommt einen Ausbildungsplatz, dazu nutze ich unser Netzwerk, dafür rühre ich die Werbetrommel.

Style PASS: In unserem Gespräch höre ich heraus, dass Sie manche Befindlichkeiten in unserem Land kritisch sehen.

Uwe Schmitt: Was prasselt doch alles an Zukunftsängsten auf die Jugend und uns ein. Corona, Klima, daraus resultierende Zwänge, der Mensch erstickt an Selbstzweifeln und auch Restriktionen. Wir setzen unser Leitthema dagegen: Den Kindern die Angst nehmen, sie angstfrei groß werden zu lassen und ihnen das Gefühl für eigene Fähigkeiten zu vermitteln und Freude am Leben zu haben. Sie sollen sollen als positive Multiplikatoren innerhalb ihrer Community wahrgenommen werden.

Style PASS: Concordia heißt, so habe ich das in der Schule gelernt, "Eintracht".

Uwe Schmitt: Dafür steht Sport, dafür steht vor allem Mannschaftssport: Für einander da sein, einander in kritischen Situationen helfen, den Ball an den besser positionierten Mitspieler abgeben, sprich das eigene Ego auch mal ein bisschen zurückstellen. Das ist eine gute Schule.

Style PASS: Vereine stehen auch in Konkurrenz untereinander. Sie sagten bei Amtsantritt, sie wollten den Verein zu alter Größe führen. Was meinen Sie damit?

Uwe Schmitt: Wir konzentrieren uns nicht auf ein Aushängeschild, sondern wir wollen die ganze Altersbreite im Mädchen-, Frauen-, Jugend- und Männerfußball abbilden, haben sogar eine Ü 70 Abteilung, und vor allem die Kinder mit Migrationshintergrund mitnehmen. Und Freude vermitteln. Beim letzten Weihnachtsfest (vor Corona) bekamen die Kinder keine Playstation oder sonstigen Schnickschnack, dafür haben wir kein Geld, sondern einen ganz normalen Weihnachtskalender. Mit Schokolade drin, und alle haben sich riesig gefreut. Wir sind bodenständig, und das kommt an!

Style PASS: Wie schwer ist es, Mädchen für Fußball zu begeistern?

Uwe Schmitt: Überhaupt nicht. Unsere Mädchenabteilung verzeichnet großen Zuwachs. Wir haben mit den E-Juniorinnen angefangen, die mit großem Spaß, Eifer und Engagement bei der Sache sind. Auch unser Ziel eine Frauenmannschaft für die Regionalliga aufzubauen, ist in Reichweite.

Style PASS: Wie groß ist der Anteil der Mädchen mit Migrationshintergrund?

Uwe Schmitt: In unseren drei Mädchenmannschaften 70 Prozent. Wir tragen dazu bei, sie aus der Isolation herauszuholen, wir eröffnen ihnen Chancen der Selbstbehauptung, wir unterhalten uns alle auf Deutsch, auch das hilft fürs spätere Leben.

Style Pass: Was können die Jungs von den Mädchen lernen?

Uwe Schmitt: Mädchen und junge Frauen begegnen der Welt und ihren Herausforderungen oft mit mehr Leichtigkeit als die Jungs. Ich erlebe die "Mädels" als witzig und humorvoll, ich persönlich finde das toll - zudem sind sie absolut intrinsisch motiviert was die Einstellung zum Sport anbetrifft.

Style PASS: Was kann die „große“ Politik vom Verein Concordia Wilhelmsruh lernen?

Uwe Schmitt: Wer Leute ins Land holt, darf sie dann nicht allein lassen. Wir kümmern uns, und darauf sind wir stolz!

Vielen Dank!

Mit Uwe Schmitt sprach Style PASS-Korrespondent Eckhard Britsch

Immer hoch hinaus

Jetzt motzen sie wieder, die Neunmalklugen: Ja, diese Frau Annalena Baerbock, eine frühere Trampolin-Athletin, die sei doch zu jung (40) für das Amt der Bundeskanzlerin. Nein, wie sollte sie das schaffen mit zwei kleinen Kindern? Aber, aber, sie habe doch gar keine Regierungserfahrung. Und das Schlimmste: Im Parteiprogramm der Grünen stünde noch kein Wort über die Finanzierung der 50 Milliarden, die jährlich für die Modernisierung Deutschlands ausgegeben werden sollen. Fast Peanuts im Vergleich zum momentanen Haushaltsdefizit.

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