Sports & Politics
Kleiner Junge mit großen Träumen
Er postete es auf der Business-Plattform LinkedIN und bekam viele Kommentare: Peter Pauls machte vor einigen Jahren ein berührendes Foto von einem kleinen Jungen mit einem Fußball. Style PASS fragte bei Pauls nach der Geschichte hinter dem Foto.
Style PASS: Ein kleiner Junge mit einem Ball. Ein Bild, das ans Herz rührt. Wie und wo ist es entstanden? Was bedeutet es Ihnen?
Peter Pauls: Das Foto entstand 2017 in Sierra Leone, nahe der Diamantenstadt Kenema. Ein grausamer Bürgerkrieg und die Ebola-Epidemie hatten das westafrikanische Land schwer gezeichnet. Das Bild spiegelt nicht nur Stolz, Lebensfreude und Unbekümmertheit der kleinen Fußballer, es zeigt auch, dass das Leben weitergeht und jede junge Generation mit frischem Elan antritt.
Style PASS: Die so genannte „Dritte Welt“ profitiert von den Auswirkungen der Globalisierungen nicht unbedingt. Welche Erfahrungen haben Sie als Europäer auf der Reise gemacht, als dieses Bild entstand?
Meine Erfahrungen sind zwiespältig. Die Kakaoproduktion gibt kleinen Familienbetrieben in Sierra Leone eine Chance, Geld zu verdienen. Doch die Ausbeutung der Bodenschätze kommt der Bevölkerung sicher nicht zugute, der buchstäbliche Landraub macht sie zu Unmündigen im eigenen Land. Ganze Landstriche werden von korrupten Chiefs veräußert. Ist ein kleines Land zudem noch strategisch von geringer Bedeutung, wird es buchstäblich nicht wahrgenommen. Das will erkämpft werden.
Style PASS: Fußball kann einiges bewegen. Auch kleine Jungs mit großen Träumen aus Slums holen. Fußballer wie Pelé haben es vorgemacht. Interessiert Sie Fußball? Interessieren Sie die Geschichten hinter den Stars?
Fußball ist klassenlos und kennt nur eine Sprache. Für Borussia Kalk in Köln spielen Kinder aus 28 Nationen. Sie lernen im Team zu spielen, Niederlagen zu akzeptieren und gemeinsam wieder aufzustehen. Der Fußball eint, er trennt nicht. Und natürlich ist er für viele die einzige Aufstiegshoffnung. Es sind die vielen kleinen Geschichten, die den Fußball groß machen.
Style PASS: Sportfunktionäre betonen bei der Vergabe von sportlichen Großereignissen, wie einer WM, in Länder, in denen Demokratie und Menschenrechte zu wünschen übrig lassen, meist, dass die WM dabei helfen würde, das Land zu modernisieren. Z.B. wurde so zur WM in Qatar kommuniziert. Haben Sie dazu eine Meinung?
Eine Weltmeisterschaft macht keine Diktatur auch nur einen Deut demokratischer. Aber sie kann ein Land einen. 2010 habe ich das in Südafrika erlebt, wo Fußball reiner Schwarzensport ist. Buchstäblich das ganze Land wollte es der Welt zeigen. Leider verpuffte die Stimmung. Zurück blieben WM-Stadien, die keiner brauchte und eine Handvoll Menschen wurde noch reicher. Im Vergleich dazu leuchten die kleinen Fußballer aus Sierra Leone wie Diamanten im Staub.
