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Ein Thema für das Kanzleramt
Der neueste Drogenbericht der Bundesregierung zeigt, dass immer mehr Menschen in Deutschland abdriften, zu Drogen greifen und sogar an Drogen sterben. Gerade Jugendliche sind betroffen. Style PASS sprach mit dem CDU-Politiker Prof. Hendrik Streeck, Sucht- und Drogenbeauftragter der Bundesregierung, über dieses brisante Thema. Streeck findet dabei klare Worte.
Style PASS: In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Drogentoten unter 30 um die Hälfte gestiegen. Bei den unter 20-Jährigen hat sie sich sogar verdoppelt. Welche Gründe sehen Sie dafür?
Prof. Hendrik Streeck: Dafür kommen mehrere Entwicklungen zusammen. Drogen sind leichter verfügbar, auch über soziale Medien und Messenger. Gleichzeitig werden die Substanzen potenter und unberechenbarer, etwa durch synthetische Wirkstoffe oder gefälschte Tabletten. Besonders gefährlich ist der Mischkonsum, weil sich Wirkungen gegenseitig verstärken können. Und wir erreichen viele junge Menschen noch immer zu spät mit Prävention, Beratung und Hilfe.
Style PASS: Benzodiazepine, verschreibungspflichtige Medikamente, spielen dabei oft eine Rolle. Wird diese Wirkstoffgruppe von Ärztinnen und Ärzten zu oft verschrieben?
Benzodiazepine sind wichtige Medikamente, haben aber ein erhebliches Abhängigkeitspotenzial und werden besonders im Mischkonsum mit Alkohol, Opioiden oder anderen dämpfenden Substanzen gefährlich. Ob insgesamt zu viel verschrieben wird, lässt sich pauschal nicht sagen. Entscheidend sind Indikation, Dauer und ärztliche Kontrolle. Sorge macht mir hierbei aber der sich rasant entwickelnde illegale Onlinehandel. Dort werden Tabletten angeboten, bei denen weder Wirkstoff noch Dosierung verlässlich bekannt sind. Gerade solche gefälschten Medikamente können für junge Menschen hochgefährlich sein.
Style PASS: Wo und wie könnten Jugendliche stärker sensibilisiert werden? Oder sprechen wir von einer Gruppe, die gar nicht mehr erreichbar ist?
Junge Menschen sind erreichbar, wenn Prävention früh beginnt, kontinuierlich stattfindet und sie dort erreicht, wo sie tatsächlich sind: in Schule, Familie, Vereinen und im digitalen Raum. Ein Projekttag in der achten Klasse reicht eben dafür aber auch nicht. Aufklärung muss sich wie ein roter Faden durch die Schulzeit ziehen. Und man kann das mal ganz ungeschminkt sagen: hier können wir deutlich besser sein! Gerade Drogenaufklärung findet kaum oder nicht systematisch statt. Und wenn riskanter Konsum auffällt, muss der Weg in Beratung und Hilfe schnell sein. Gerade beim Mischkonsum müssen Jugendliche wissen, dass sich Wirkungen unvorhersehbar verstärken und innerhalb kurzer Zeit lebensgefährlich werden können.
Style PASS: Das liebe Geld. Sehen Sie sich mit Ihren Ideen, gerade im Bereich Prävention, innerhalb der Regierung ausreichend unterstützt? Momentan ist ja Sparen angesagt.
Nein, ausreichend ist die Unterstützung bislang nicht. Zumindest bekommen Prävention, Aufklärung und Frühintervention nicht den politischen und budgetären Stellenwert den es haben sollte. Über Prävention wird viel gesprochen, aber eigentlich gehört dieses Thema ins Kanzleramt, da es so viele unterschiedliche Ressorts mit betrifft. Gerade in knappen Haushalten wird dort schnellgekürzt, obwohl die Folgekosten später deutlich höher sind – im Gesundheitswesen, in der Suchthilfe, bei Polizei und Justiz. Prävention ist deshalb kein Zusatzprogramm für gute Zeiten, sondern eine Kernaufgabe. Dafür werde ich innerhalb der Bundesregierung weiterkämpfen.
Style PASS: Aus welchen Ländern stammen synthetische Substanzen wie Fentanyl, oder werden diese schon in Deutschland hergestellt?
Die Lieferketten sind international. Neue synthetische Opioide und viele ihrer Vorläuferstoffe kommen häufig aus Asien. In Europa ist die Herstellung synthetischer Opioide bislang eher selten. Das kann sich aber schnell ändern, denn dafür braucht man keine Anbauflächen, sondern Chemikalien und ein Labor. Genau deshalb ist die neue Catch-all-Regel so wichtig. Künftig können auch bislang nicht gelistete Ausgangsstoffe erfasst werden, wenn sie zur illegalen Drogenherstellung verwendet werden. Wir müssen ansetzen, bevor die fertige Droge auf dem Markt ist.
Style PASS: Muss bei Dealing, Herstellung synthetischer Drogen und Drogenschmuggel härter durchgegriffen werden? Reichen die Strafen aus?
Wir müssen vor allem wirksamer durchgreifen. Die Strafrahmen sind bereits erheblich. Das Problem ist, dass organisierte Drogenkriminalität international arbeitet, enorme Gewinne erzielt und staatliche Strukturen gezielt umgeht. Deshalb müssen Polizei, Zoll und Justiz Finanzströme schnellerverfolgen, Vermögen konsequent abschöpfen und schon bei den Ausgangsstoffen ansetzen. Dabei gilt eine klare Trennlinie: Menschen mit einer Abhängigkeit brauchen Hilfe. Wer an der Abhängigkeit anderer Millionen verdient, muss die volle Härte des Rechtsstaats spüren.
Vielen Dank!
