Life & Body
Gut geschützt durch den Sommer!
Wer zu lange in der Sonne brutzelt, erhöht sein Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Das ist nichts Neues. Momentan ergänzen Berichte um das so genannte Hautkrebsscreening und ob Sonnencremes mehr schaden als nutzen, die Diskussion.
Prof. Carola Berking ist seit sieben Jahren Klinikdirektorin an der Hautklinik am Uniklinikum Erlangen. Die Professorin hat in den USA gearbeitet, engagiert sich bei der Deutschen Krebsgesellschaft und ist insbesondere auf Hautkrebs und die Entstehung von Hautkrebs spezialisiert.
Style PASS sprach mit ihr über die aktuellen Themen.
Style PASS: Hat Sie die aktuelle Diskussion über das Hautkrebs-Screening überrascht?
Prof. Carola Berking: Die Diskussion an sich auf der Ebene von Politik und Expert+innen nicht, weil wir schon seit Jahren darüber reden, wie sich der Wert eines Hautkrebsscreening bemisst. Retten wir damit Leben? Oder reicht die Bilanz, dass der Hautkrebs früh behandelt wird und die Menschen sorgsamer mit UV-Strahlung umgehen? Diese Diskussion geht schon länger. Ein Problem des Screenings ist: Die Teilnahme-Rate ist mit 30 Prozent zu gering. Es sind auch oft die Falschen, die hingehen. Es gehen eher die Gesundheitsbewussten zum Screening und nicht die Risikogruppen: Männer, Outdoor-Worker, ältere Menschen.
Style PASS: Es gab Probleme bei der Auswertung des Screenings?
Ja. Wir haben eine schlechte Dokumentation. Das ist nicht gut gelaufen. Tödlich ist hauptsächlich das Melanom - über 3.000 Tote haben wir in Deutschland pro Jahr zu verzeichnen. Die statistische Auswertung ist schwierig, weil diejenigen, die wir durch das Screening retten, statistisch nicht erscheinen, weil die Fallzahl zu gering ist.
Style PASS: Dennoch wirkt die Diskussion ein wenig befremdlich, schließlich wird immer wieder von Politik, Ärzten und Krankenkassen der Stellenwert von Prävention und Früherkennung beim Thema Krebs unterstrichen!
Ja. Was mich schon überrascht hat, war, dass sich getraut wird öffentlich zu sagen, dass das Hautkrebs-Screening stillgelegt werden sollte. Denn alle wissen: Hautkrebs nimmt weiter dramatisch zu. Zudem ist die Untersuchung schmerzfrei und verhältnismäßig unkompliziert durchzuführen.
Style PASS: Es geht ums liebe Geld!
Aktuell schreit jeder für sein Fach. Deshalb gehöre ich nicht zu den größten Schreiern, denn ich weiß ja, dass gespart werden muss. Aber das Screening sollte auf jeden Fall für die Risikogruppen aufrecht gehalten werden: sehr helle Hauttypen, Straßenarbeiter, Immungeschwächte.
Style PASS: Wie sollte man sich verhalten, um nicht an Hautkrebs zu erkranken?
Man sollte die Sonneneinstrahlung auf der Haut reduzieren, durch einfache Maßnahmen: Mittagssonne meiden, dann nicht joggen oder schwimmen gehen, lieber morgens oder nachmittags Sport im Freien machen. Man sollte sich mit Kleidung schützen. Und: Man sollte sich rechtzeitig mit hohen Lichtschutzfaktoren eincremen, also, bevor man in die Sonne geht, mit einer ausreichenden Menge und nicht erst wenn der Sonnenbrand da ist. Auch im Halbschatten, z.B. unter Bäumen, gibt es UV-Strahlung. Helle Oberflächen, wie Schnee oder Sand reflektieren Sonne.
Style PASS: Was noch?
Man sollte seine Haut anschauen und auf Flecken achten, die sich verändern, oder neue Stellen, die entstehen. Wenn sich die Hautoberfläche verändert, sich auf Flecken Äderchen bilden, es punktuell zu bluten anfängt, sich schuppige oder verhornende Stellen bilden, sollte man diese Stellen der Hautärztin oder einem ausgebildeten Hausarzt zeigen. Früh genug erkannt kann man das gut behandeln, ohne dass der Krebs weiter streut.
Style PASS: Auch Sonnencreme steht momentan in der Diskussion?
Ich würde das „momentan“ rausnehmen. Denn seit Jahren gibt es Berichte, dass Sonnencreme schädlich sei. Von Korallenriffschädigung über Fertilitätsschädigung, dass Hormone erhöht würden oder Stoffe in Cremes ähnlich wie Hormone wirken, dass sich ein Stoff bilden würde, wenn Sonnencreme zu lange gelagert würde, der im Labor krebserregend sei, bis zu einer Studie, dass UV-Filter im Blut nachgewiesen worden seien. Das ist ein großes Thema und wird extrem gehypt.
Style PASS: Was ist Ihre Meinung dazu?
Bei allem was gefunden wurde, sind sich die Expert+innen dennoch einig, dass der Nutzen des Schutzes vor krebserregender UV-Strahlung überwiegt. Auch das Bundesinstitut für Risikoeinschätzung hat zu keinem Zeitpunkt eine Warnung ausgesprochen. Einzelne Stoffe sind allerdings tatsächlich verboten worden, etwa die Weichmacher.
Style PASS: Eine Studie hat chemische UV-Filter im Blut nachgewiesen. Diese befinden sich in Sonnencreme.
Selbst wenn es stimmt, dass Filterstoffe im Blut gefunden wurden, heißt es nicht, dass die Menge schädlich ist. Es ist eine Konzentrationsfrage. In der Studie wurden 75 Prozent der Körperoberfläche und sehr dick eingecremt, bis drei Mal am Tag. Wer cremt seinen Körper richtig dick ein, mehrmals?
Style PASS: Sie haben Kritikpunkte an einigen Studien?
Es ergab mal eine Studie, dass Sonnencremeanwender+innen mehr Hautkrebs haben. Das heißt aber nicht automatisch, dass Sonnencreme Krebs verursacht. Es könnte ja sein, dass diejenigen, die ein erhöhtes Risiko haben, an Hautkrebs zu erkranken, also die Hellhäutigen, auch diejenigen sind, die mehr Sonnencreme benutzen.
Style PASS: Also weiter eincremen?
Inzwischen sind die Sonnencremes so angenehm aufzutragen und hoch wirksam, dass man sehr effektiv vor Sonnenbrand geschützt ist, das heißt aber nicht, dass man deshalb länger in der Sonne bleiben sollte, denn die schädliche, krebserregende UV-Strahlung geht dennoch in die Haut, wenn man zu lange in der Sonne ist.
Style PASS: Wo ist der Unterschied zwischen sogenannten chemischen und mineralischen UV-Filtern in Sonnencremes?
Chemisch bedeutet, der UV-Schutz gelingt durch eine Absorption der UV-Strahlung und Umwandlung in Wärme. Die UV-Filter setzen sich in die Oberhaut ab und wenn Sonne drauf strahlt, nehmen sie die UV-Strahlung auf: Durch chemische Reaktionen wird die Strahlung in Wärme umgewandelt, so gelangt die UV-Strahlung nicht in tiefere Hautschichten, wo sie Schäden anrichtet. Der physikalische oder mineralische Ansatz ist, dass die UV-Filter wie Mini- Spiegelchen funktionieren, die die UV-Strahlung auf der Hautoberfläche wegreflektieren.
Style PASS: Haben Sie eine Empfehlung eher auf chemische oder mineralische UV-Filter zu setzen, oder „bio“ zu kaufen?
„Bio“ heißt nicht, dass eine Creme besser ist oder besser verträglich ist. Folgendes: Eine gute Sonnencreme muss nicht teuer sein, das haben Stiftung Warentest und andere belegt, dass man gute Sonnencremes auch beim Discounter bekommt. Wo „50 plus“ drauf steht, ist auch „50 plus“ drin. Wo sich teure und preiswerte Cremes oft unterscheiden, ist, wie gut sich die Creme auftragen lässt, wie schnell sie einzieht, wie sie riecht und ob auch noch andere zellschützende Wirkstoffe enthalten sind. Die teureren Cremes betreiben viel Marketing und haben oft eine coole Verpackung – das muss man mitzahlen!
Style PASS: Worauf sollte man achten?
Auf einen hohen Lichtschutzfaktor, der mehre Filter miteinander verbindet, gerne auch eine Kombination aus sowohl chemischen als auch mineralischen Filtern.
Style PASS: Noch etwas, worauf die Style PASS-Leser+innen achten sollten?
Die Lagerung ist wichtig. Wenn man die Creme geöffnet hat, sollte man sie eher kühl lagern, denn in der Sonne zersetzen sich die UV-Filter schneller. Wenn man sieht, dass sich die Farbe verändert hat oder es komisch riecht, sollte man die Creme wegwerfen.
Und: Gerade junge Leute sollten daran denken, dass sie sich mit gutem Sonnenschutz vor vorzeitiger Hautalterung schützen. Wer lange jugendlich-frisch aussehen will, sollte also auf die richtige Kleidung und eine gute Sonnencreme setzen.
Vielen Dank!
