Life & Body

Filler auch in Penissen!

Wer schön sein will, muss leiden? Heute eigentlich nicht mehr, denn nun gibt es zu herkömmlichen, invasiven Eingriffen wie einem Facelifting auch andere Optionen. Viele setzen auf Botox und Filler, um Falten wegzuzaubern und ein jugendlicheres Aussehen zu kreieren. Doch mancherorts wird es auch übertrieben: In den USA gibt es Mütter, die ihre Kinder selbst "botoxen" und manch‘ einem erscheint die Mimik von Nicole Kidman wie "versteinert".

Style PASS sprach mit dem bekannten Facharzt Dr. Alexander Schönborn, Präsident der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) über die aktuellen Trends bei diesem Thema!

Style PASS: Botox und Filler, beides kann Falten glätten?

Ja. Man muss aber zwischen Botox und Fillern unterscheiden. Botox ist ein Medikament, das Muskeln lähmt und dadurch einen Faltenglättungseffekt hat, weil Muskeln mit der Haut verbunden sind und die Muskeln gelähmt werden, entstehen dann auch keine Falten mehr. Hyaluronsäure funktioniert so, dass sie Falten auffüllt, Volumen schafft. Botox würde man eher im oberen Gesichtsdrittel anwenden, typisch an der Stirn, etwa die Zornesfalte. Filler nutze ich eher im unteren Gesichtsdrittel.

Style PASS: Eine Innovation?

Ja. Denn Botox kann viele Operationen vermeiden. Beide Medikamente sind nicht mehr wegzudenken aus unserem Fach.

Style PASS: Ab welchem Alter wird Botox eingesetzt? Es gibt ja Schauerstorys aus den USA, wo Mütter Botox bei Kindern einsetzen!

Wir spritzen keine Faltenmedikamente bei Minderjährigen. Botox wird so ab Anfang 30 eingesetzt, Filler eher ein bisschen später, jedenfalls bei mir, wobei ich ja eher operativ tätig bin.

Style PASS: Werden beide Stoffe nur aus „ästhetischen Gründen“ eingesetzt?

Es gibt auch rekonstruktive Eingriffe, bei denen sich Filler eignen, etwa nach erfolgreichem Verschluss einer Lippenspalte, früher manchmal "Hasenscharte" genannt. Hier kann man mit Fillern kleine Verbesserungen erzielen.

Style PASS: Gibt es Nebenwirkungen bei Botox?

Es kann passieren, dass man einen Nerven lähmt, den man nicht lähmen wollte. Dann entsteht z.B. eine „Liedheberschwäche“, das ist ärgerlich aber komplett reversibel. Aber es passiert nix Schlimmes, es dauert drei bis vier Monate. Es ist aber eine sehr seltene Komplikation.

Style PASS: Und bei Fillern?

Bei den Fillern sind die Präparate sehr sicher. Die schwerste Komplikation ist, dass ein Blutgefäß verschließt. Das kommt bei einem zu 6000 Fälle vor. Das Hautareal, das durch dieses Gefäß durchblutet wird, verschorft dann. Man gibt dann in großen Mengen ein Medikament, das Hyaluronsäure auflöst. In ganz seltenen Fällen können Menschen auch erblinden.

Ich denke, die "Hauptnebenwirkung" ist aber, dass Patientinnen falsche Erwartungen haben und das Ergebnis nicht der Erwartung entspricht. Nach dem Motto: „Hätte ich mir mehr davon verspochen.“

Style PASS: Manchmal sind die Patienten selbst schuld, wenn was nicht klappt?

Ich hatte eine Patientin, wo wir bei Botox an der Stirn nichts gesehen haben. Da stellte sich dann heraus, dass sie nach der Behandlung zum Yoga gegangen ist: Der Blutdruck ist gestiegen, dadurch wurde das Botox abtransportiert.

Style PASS: Selbstanwendung von Botox: gute oder schlechte Idee?

Botox und Hyaluronsäure sind verschreibungspflichtig. So dass ich nicht weiß, wie die Bestellungen aus dem Internet herkommen? Ich finde das natürlich keine gute Idee: Der Arzt plant ganz genau, wo die Injektionspunkte sind, das wird natürlich mit dem Patienten genau abgesprochen. Das sollte man schon gelernt haben, denn man muss ja die Anatomie des Menschen verstehen.

Style PASS: Weitere "Selbstanwendungsgebiete"?

Ich habe auf einem Kongress in Bangkok von Eigeninjektionen von Fillern bei Männern in den Penis gehört. Das scheint da etwas zu sein, was die Kollegen dort mit einer gewissen Regelmäßigkeit sehen.

Style PASS Herausgeberin Eva Britsch googelt auf ihrem Smartphone "Penislängen im internationalen Vergleich" und ergänzt: In Kamerun haben Männer eine durchschnittliche Länge von 16,65 Zentimeter, in Thailand demgegenüber lediglich von 11,45 Zentimeter: "Das hatte ich schon einmal gelesen, dass Asiaten hinter Afrikanern und Europäern zurück liegen. Mit Fillern "international wettbewerbsfähig bleiben"?"

Das war oftmals keine gute Idee, denn die Männer kamen zu den Ärzten mit Komplikationen. Zudem war nicht klar, was sie sich genau gespritzt haben. Ich hatte bislang lediglich einen Fall in der Praxis, das ging aber gut aus. Der Patient hatte sich im Ausland eine unbekannte Substanz in den Penis spritzen lassen.

Style PASS: Der "Pillow Face Effekt" durch Filler, warum kommt es dazu. Sieht ja etwas übertrieben aus!

Das sind extreme Wünsche von Patientinnen, es gehört hier aber auch ein Behandler dazu, der da "mitspielt". Die Filler haben unterschiedliche Strukturen, die Dünnflüssigen, die schneller abgebaut werden und andere Strukturen, die eher für Contouring benutzt werden. Wangenknochen betonen, zum Beispiel. Filler, die Volumen schaffen, halten bis zu 18 Monaten. Die meisten meiner Patientinnen kommen für Hyaluronsäure einmal im Jahr, für Botox zweimal im Jahr.

Style PASS: In manchen gesellschaftlichen Gruppen wollen die Nutzer*innen von Botox und Fillern, dass man sieht, dass sie diese Geschichten nutzen. Ein leicht "künstliches Aussehen" ist erwünscht. Das „Instagram-Face“!

Keine Frau wird sich hinsetzen und sagen: ich will das Instagramgesicht. Es sind Filter, die auf Algorithmen basieren, die ein universelles Durchschnittsaussehen kreieren sollen. Das Problem bei dem Instagram-Gesicht ist: perfekte Proportionen, perfekte Symmetrien, perfekte Haut wird kreiert. Menschen, die auf den Sozialen Medien unterwegs sind, sind permanent mit dem eigenen Bild konfrontiert, das gefiltert ist. Daher kommt es, dass ich die Realität der digitalen Welt anpassen will. Dass Frauen mit Bildern kommen, war aber schon immer so, früher war es die Bravo. Bei Instagram ist aber das Problem: All das ist bearbeitet. So werden unrealistische Erwartungen geschürt.

Style PASS: Wie gehen Sie mit dieser Entwicklung um?

Ich frage Patientinnen: "Was stört Sie?", und wenn dann gar nicht so richtig klar wird, um was es eigentlich geht, hilft mir manchmal ein Foto, um zu verstehen, was eine Patientin für Wünsche hat.

Style PASS: Auch ohne Spritze versprechen Kosmetikhersteller "Polsterungseffekte". Momentan sind "Peptidprodukte" "in". Auch Hyaluronsäure von außen soll "schön machen". Reines Werbegewäsch oder gibt es wirklich einen Effekt? Haben Sie dazu eine Meinung?

Ich glaube, die Cremes geben Feuchtigkeit, das sollte schon einen gewissen Effekt für die Haut haben. Eine äußere Anwendung von Hyaluronsäure kommt aber niemals so tief in die Haut hinein, wie wenn Hyaluronsäure gespritzt wird.

Style PASS: Botox im Ausland? Sind die Preise in Deutschland für Botox-Behandlungen zu teuer, so dass der Beauty-Tourismus boomt?

Wir fragen in unserer Behandlungsstatistik nach OPs im Ausland, aber nicht ausdrücklich nach minimalinvasiven Eingriffen, so dass wir als Fachgesellschaft dazu keine Zahlen haben. Es gibt in Deutschland aber auch einen sehr preiswerten Markt, ob es sich dafür lohnt, ins Ausland zu gehen? Was ich ab und zu höre, ist: Ich war da und da und habe das dann da machen lassen! Grundsätzlich denke ich, dass es in der plastischen Chirurgie keine Schnäppchen gibt, auch nicht in der Türkei. Wir als Fachgesellschaft haben keine Empfehlung für Botox-Preise, ich denke aber, dass sich regional ein gewisser Preis eben ergibt aus Angebot und Nachfrage.

 

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Geheimnis rund um volle Lippen!

Aktuell sind "Pepitide" auf dem Kosmetikmarkt "in". So sollen diese insbesondere Lippen "aufpolstern".
 
Style PASS hat versucht herauszufinden, ob es sich um eine echte Innovation oder einen plumpen Marketing-Trick handelt.

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