Life & Body

Style PASS sprach mit einer Expertin über Diabetes

Die Situation ist brisant

Die Apothekerin Barbara Bitzer ist Geschäftsführerin der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG): Die Gesellschaft hat konkrete Vorschläge, wie man Diabetes, gerade bei Kindern, vermeiden könnte - doch Politik und Gesellschaft ziehen nicht ausreichend mit. Die Situation sei demgegenüber dramatisch, denn Diabetes ziehe im Regelfall Folgeerkrankungen nach sich, wie Bitzer, die im Gespräch mit Style PASS ihr Engagement für die Sache mit einer guten Portion Quirligkeit unterstreicht, darlegt. Soziale Ausgrenzung oder Einschränkungen in der individuellen Lebensführung sind die Folge.

Style PASS sprach mit Bitzer über die aktuelle Situation!

Style PASS: Ihre Gesellschaft hat viel zu tun?

Barbara Bitzer: Ja. Wir machen Fort- und Weiterbildungen, zertifizieren Einrichtungen, bringen Leitlinien heraus, wie Menschen, die mit Diabetes leben, nach dem neuesten Stand der Wissenschaft behandelt werden sollen. Und: Wir bringen auch Vorschläge ins politische Geschehen ein.

Style PASS: Wie ist die Situation aktuell?

Sie ist dramatisch. Die Zahlen steigen stetig. Wir haben aktuell mehr als neun Millionen Menschen mit Diabetes und erwarten in den nächsten Jahren einen Anstieg auf zwölf Millionen Menschen – alleine in Deutschland. All diese Patientinnen und Patienten müssen versorgt werden, daher kommt der Prävention eine entscheidende Rolle zu.

Style PASS: Wo sind die Unterschiede zwischen "Adipositas" und "Übergewicht"?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sagt, dass ab einem Body Mass Index (BMI) von über 25 Erwachsene als übergewichtig und bei einem BMI von über 30 diese als adipös, also stark übergewichtig, gelten. Man muss unterscheiden zwischen den „ein paar Kilo zu viel“ und starkem Übergewicht. Erschreckend ist, dass nicht nur jeder fünfte Erwachsene in Deutschland eine Adipositas-Diagnose hat, sondern sogar bereits etwa sechs Prozent der Kinder adipös sind.

Style PASS: Ein Risiko für weitere Erkrankungen?

Ja, Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen aber auch bestimmte Krebsarten können die Folge sein. Wer als Kind schon zu dick ist, wird wahrscheinlich auch als Erwachsener gesundheitliche Probleme haben, deshalb sollte die Prävention bei Kindern ansetzen.

Style PASS: Viele Kinder sind betroffen?

Viele Kinder sind betroffen. Weltweit ist jedes zehnte Kind zu dick. Früher war ja der Fokus eher auf Unterernährung in Entwicklungsländern bei Kindern. Jetzt haben wir insbesondere ein Problem mit Übergewicht!

Style PASS: Eine Ursache für diese Verschiebung?

Laut WHO sind weltweit die gesüßten Getränke ein großes Problem und Mitursache für Übergewicht bei Kindern. Das sind leere Kalorien, die Kinder zusätzlich zum Essen konsumieren. Die Werbung für ungesunde Produkte ist zudem ein Problem. Die Werbewirtschaft hat Kinder als Zielgruppe identifiziert. Werbung beeinflusst Präferenzen und Konsumverhalten. Die Politik ist in der Pflicht, Anreize für gesunde Ernährung zu setzen.

Style PASS: Aber auch die Hersteller sind gefragt?

Ja, sie sind gefragt und sollten auch ihrer Verantwortung gerecht werden. Beispielsweise indem die Rezepturen angepasst werden. Dann wären sie von Werbeschranken nicht betroffen und könnten auch eine Herstellerabgabe vermeiden.

Style PASS: Was sollte geändert werden? Überraschungseier an der Kasse sollten dort nicht liegen?

Die „Quengelkassen“ sollten abgeschafft werden. Aber unser Fokus ist: Die gesunde Wahl soll die leichtere sein. Wir haben zentrale Forderungen dazu, die auch von der WHO empfohlen werden. Zum einen: Steuerliche Maßnahmen. Die „Gesunde Mehrwertsteuer“ - Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte sollten komplett von der MwSt. entlastet werden - stark gesüßte Getränke sollten demgegenüber mit einer erhöhten MwSt. belegt werden. Die „Herstellerabgabe“ hat das Ziel, die Hersteller dazu zu bringen, weniger Zucker einzusetzen.

Style PASS: Die weiteren Forderungen?

Standards für die Kita- und Schulernährung. Jedes Kind würde dann einmal am Tag eine gesunde Mahlzeit erhalten. Und: Eine verbindliche Stunde Schulsport am Tag in Kita und Schule.

Style PASS: In Großbritannien hatte der Starkoch Jamie Oliver ja mal eine Initiative gestartet, an Schulen, Pommes und Nuggets durch Kichererbsencurry und Co. zu ersetzen. Er ist damit aber gescheitet, weil viele Kinder das nicht essen wollten!

Eine Umstellung braucht natürlich auch Zeit und sollte gemeinsam mit den Kindern vorangetrieben werden. Insgesamt ist Großbritannien inzwischen sehr erfolgreich mit den angestoßenen Maßnahmen und der Herstellerabgabe auf zuckergesüßte Getränke.

Style PASS: Es ist aber nicht nur ein individuelles, sondern auch ein gesellschaftliches Problem?

Ja. Die Kosten für Diabetes liegen bei rund 30 Milliarden Euro pro Jahr: Behandlung, Frühverrentung und weitere Kosten. Wir haben eines der teuersten Gesundheitssystem in Europa, liegen bei der Lebenserwartung im europäischen Raum aber unter dem Durchschnitt. Die Politik will, dass Menschen bestenfalls bis 70 arbeiten, aber Prävention spielt eine untergeordnete Rolle.

Style PASS: Wer in Deutschland die Lebensführung von Bürgerinnen und Bürgern als Politiker kritisiert, "verprellt“ damit natürlich auch irgendwie seine "Kund+innen". Das Problem wird kaum thematisiert!

Es geht nicht darum, vorzuschreiben, was in den Kühlschränken oder dem Esstisch der Menschen landet. Uns geht es darum, allen Menschen eine gesunde Wahl zu ermöglichen – beim Einkaufen, in der Schule und am Arbeitsplatz. Zudem denkt die Politik oft nur in Legislaturperioden und von Wahl zu Wahl. Präventionsmaßnahmen brauchen aber länger, um volle Wirkung zu entfalten.

Style PASS: Die sogenannte Abnehmspritze für Kinder - wie stehen Sie dazu?

Das ist ein eher wirksames Medikament und ist für einige Menschen sicherlich ein Segen. Es geht nicht darum, die Spritze einzusetzen, wenn ich ein paar Kilo zu viel habe, sondern bei schwerer Adipositas in Kombination mit einem Diabetes. Ein Medikament ist für Kinder ab zwölf zugelassen. Es gehört aber auch eine Lebensumstellung dazu: mehr Bewegung und bessere Ernährung.

Idealerweise sollte es aber gar nicht zu Adipositas kommen - ich möchte Prävention und die Spritze aber auch nicht gegeneinander ausspielen.

Style PASS: Warum werden Ihre Forderungen nicht umgesetzt?

Oftmals werden die wirtschaftlichen Interessen vor den gesundheitlichen Interessen von der Politik priorisiert - das muss sich ändern. Das muss nicht zum Nachteil der Industrie sein. In Großbritannien wird es gut angenommen und umgesetzt. Die Maßnahmen kosten wenig Geld und bringen viel Erfolg. Hierzulande fehlt einfach der politische Mut.

Style PASS: Es gibt ja auch Privatinitiativen wie die der Schauspielerin Uschi Glas, die Schulen in Deutschland mit Frühstück versorgt. Es zeigt ja, dass es ein großes Problem gibt.

Das ist begrüßenswert und toll, weil prominente Personen Aufmerksamkeit auf das Problem lenken. Aber die Initiativen wirken nur punktuell. Die Politik muss für alle Menschen die Verhältnisse ändern!

Style PASS: Eine Mehrwertsteuersenkung für gesunde Lebensmittel steht als Forderung im Raum. Um welche Lebensmittel soll es hier gehen? Erwarten Sie sich von der Reduzierung um Cent-Beträge wirklich eine Verhaltensänderung bei Eltern, die einfach nicht gesund für sich und ihre Kinder kochen?

Das klingt immer so vermeintlich gering. Wir wissen aber aus Studien, dass MwSt.- Senkungen als auch MwSt.-Erhöhungen einen Lenkungscharakter haben. Der Preis spielt bei der Kaufentscheidung eine Rolle. Gerade wenn eine Flasche Cola deutlich teurer ist, als die Flasche Wasser, dann macht das definitiv einen Unterschied.

Style PASS: Fertigpizzen und Co. – gerne genutzt, aber auch nicht gerade gesund?

Es geht nicht darum, die Fertigpizza zu verteufeln, sondern transparent darauf hinzuweisen, welche Produkte im Vergleich gesünder sind. Wir sind daher für eine transparente und verbindliche Kennzeichnung mit dem „Nutriscore“, der es Verbraucher*innen ermöglicht, Produkte in einer Kategorie, zum Beispiel Fertigpizzen, miteinander zu vergleichen und sich eventuell für die Packung mit dem grünen A zu entscheiden

Style PASS: Best-Practice-Beispiele?

Großbritannien hat gute Erfolge bei der Zuckerreduktion. Chile hat sehr umfassende Maßnahmen verabschiedet: Nun gibt es Warnhinweise auf Packungen, wenn die Produkte viel Zucker, Fett oder Salz enthalten. Dann darf zwischen 6 bis 22 Uhr im Fernsehen nicht mehr für ungesunde Lebensmittel geworben werden. Mexiko hat auch den Konsum von Softdrinks durch eine Zuckersteuer stark reduziert. Die volle Wirkung zeigen aber erst Maßnahmenbündel.

Style PASS: Innerhalb der Politik gibt es ja oft eine Schnittstellenproblematik, die Ressorts müssten stärker miteinander arbeiten?

Ja, das ist der Health in All Policies-Ansatz, man darf da nicht nur im Gesundheitsministerium darüber reden, sondern alle Ministerien müssen sich an einen Tisch setzen. Momentan gibt es diverse kleine Strategien, aber man müsste das als Gesamtkonzept sehen, damit Prävention eine flächendeckende Dimension ist.

Vielen Dank

 

 

 

Filler auch in Penissen!

Wer schön sein will, muss leiden? Heute eigentlich nicht mehr, denn nun gibt es zu herkömmlichen, invasiven Eingriffen wie einem Facelifting auch andere Optionen. Viele setzen auf Botox und Filler, um Falten wegzuzaubern und ein jugendlicheres Aussehen zu kreieren. Doch mancherorts wird es auch übertrieben!

Style PASS sprach mit dem bekannten Facharzt Dr. Alexander Schönborn, Präsident der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) über die aktuellen Trends bei diesem Thema.

Und: Eine kleine Überraschung ergab sich beim Thema " Penissen"!

 

Weiterlesen